Herr Bothe, es wird immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Viele Tankstellen wählen Verkaufsautomaten als Ergänzung, sei es als Bestandteil des Shops oder als eigenen Smart Store. Gibt es bei Aral konkrete Pläne diesbezüglich?
Achim Bothe: Auch unsere Aral Tankstellenpartner stehen vor der großen Herausforderung, ausreichend Personal für den Betrieb der rund 2.400 Aral Tankstellen in Deutschland zu finden. Wir ziehen Smart Shop-Konzepte – auch aufgrund des Investitionsvolumens – aber zunächst nur an ausgewählten Standorten in Betracht. So haben wir gemeinsam mit unserem Partner Lekkerland am ersten reinen Aral Ladepark in Mönchengladbach einen innovativen 24/7 REWE To Go Smart Store eröffnet. Das Sortiment des 54 Quadratmeter großen Stores umfasst viele aus dem REWE To Go Shop bekannte Produkte wie frische Snacks, Klassiker der Unterwegsversorgung, kalte und heiße Getränke. Kunden erwartet in Mönchengladbach ein moderner Aufenthaltsbereich mit Sitzgelegenheiten innen und außen, Toiletten und kostenloses WLAN. Der Einkauf läuft über ein bargeldloses Zahlmittel, beispielsweise eine Kreditkarte, und unter Einsatz Künstlicher Intelligenz. Der Start in Mönchengladbach verlief erfolgreich und wir sind zufrieden mit der Entwicklung dieses ersten Piloten.
Tankstellen sind Nahversorger und Convenience-Experten. Bitte beschreiben Sie den USP Ihres unternehmenseigenen Bistro-Konzeptes "Petit Bistro".
Unser unternehmenseigenes Netz umfasst heute mehr als 900 REWE To Go Shops und rund 300 Petit Bistros. Damit ist das Petit Bistro unverändert ein wichtiger Baustein unseres Convenience-Angebots. Unser Anspruch ist es, den Kunden im Petit Bistro eine hochwertige Unterwegsversorgung, beispielsweise mit Crossinos, Heißgetränken und Kaffeespezialitäten, zu bieten. Immer mehr Menschen verpflegen sich unterwegs. Wir wollen erste Wahl unserer Kunden sein. Unsere Petit Bistros und REWE To Go Shops sind eine Antwort auf den gestiegenen Bedarf nach Unterwegsversorgung. Rund 80 Millionen Autos fahren täglich an Tankstellen vorbei und rund 20 Millionen Menschen wohnen im Umkreis von Tankstellen. Für gute, auf die jeweilige Station zugeschnittene Convenience-Angebote sehe ich daher großes Potenzial. Die Bedürfnisse der Kunden sind von Standort zu Standort unterschiedlich, daher segmentieren wir unser Netz in unterschiedliche Kategorien. Mit dem differenzierten Angebot können wir konkret auf die Wünsche der Kunden eingehen.
Was wünscht sich Aral von der neuen Bundesregierung speziell im Blick auf alternative Kraftstoffe, Technologieoffenheit und den Fachkräftemangel?
Wir machen uns für Technologieoffenheit stark und fordern dafür geeignete politische Rahmenbedingungen. Aktuell fahren rund 69 Millionen Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen, davon rund 49 Millionen Pkw. Die Zahl der Elektrofahrzeuge liegt bei rund 1,6 Millionen Das heißt: Noch viele Jahre werden Verbrenner auf unseren Straßen unterwegs sein und wir werden ein Nebeneinander der Antriebssysteme haben. Die Politik muss daher Anreize für emissionsärmere Kraftstoffe setzen, um das große Potenzial im Fahrzeugbestand zu heben, beispielsweise durch eine Neugestaltung der Energiebesteuerung. Aral hat in den vergangenen Jahrzehnten ein breites, zunehmend emissionsärmeres Kraftstoffangebot entwickelt, ich denke etwa an die neue Formel für unseren Hochleistungskraftstoff Aral Ultimate Diesel an etwa 1.500 Aral Tankstellen, unseren neuen Kraftstoff Aral HVO an unbemannten Standorten und ersten Autohöfen sowie die Pilotierung von Aral Futura an acht unserer Tankstellen.
Gleichzeitig bauen wir unser ultraschnelles Ladenetz unter der Marke Aral pulse aus, inzwischen haben wir rund 3.400 Ladepunkte an fast 500 Standorten am Netz. Wir betreiben bei Aral bereits rund 60 Mobility Hubs, hauptsächlich an unseren Autohöfen. Diese haben mindestens Kraftstoffe und ultraschnelle Ladeinfrastruktur im Portfolio, darüber hinaus je nach Standort REWE To Go Shops, CNG mit hohem Biomethananteil, AdBlue und Aral HVO. Die bürokratischen Hürden speziell beim Ausbau der Ladeinfrastruktur sind immens, wie wir mit Veröffentlichung des Aral pulse Umsetzungsbarometers Ende letzten Jahres eindrucksvoll belegt haben. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf.
Auch die gestiegenen Betreiberkosten für Tankstellen sind ein Problem – insbesondere durch den Anstieg des Mindestlohns und die schwankenden Energiekosten. Wir hoffen auf Entlastungen, auch für uns als Tankstellenbetreiber.
In welcher Verantwortung sieht sich Aral, wenn es um den Klimawandel geht? Ist Aral ein nachhaltiges Unternehmen?
Aral hat in den vergangenen Jahren viele Initiativen gestartet, um emissionsärmere Kraftstoffe auf den Markt zu bringen und im laufenden Betrieb Ressourcen zu schonen. Ich will exemplarisch vier Bereiche nennen: Wir haben ein breites, zunehmend emissionsärmeres Kraftstoffportfolio entwickelt, unter anderem mit dem neuen Kraftstoff Aral HVO, der neuen Formel für unseren Hochleistungskraftstoff Aral Ultimate Diesel und der Pilotierung der Aral Futura-Kraftstoffe. Darüber hinaus ist Aral einer der größten CNG-Anbieter, überwiegend mit Biomethan.
Wir sind überzeugt, dass Elektromobilität eine bedeutende Rolle in der Mobilitätswende spielen wird. Aral pulse ist inzwischen einer der größten Schnellladeanbieter in Deutschland – laut Connect übrigens zum zweiten Mal in Folge auch der beste. Wir betreiben rund 3.400 Ladepunkte, betrieben mit Ökostrom von zertifizierten Anbietern, an fast 500 Standorten. Seit 2024 sind wir offizieller E-Charge Partner des ADAC und bieten unseren Ladekunden über die Aral pulse App und Ladekarte attraktive Konditionen.
Drittens ist unsere Zusammenarbeit mit Too Good To Go zu nennen. Fast 1.200 unternehmenseigene Aral Tankstellen in Deutschland beteiligen sich. Seit dem Start des Projekts im August 2022 konnten rund 1,8 Millionen Überraschungstüten mit überschüssigen Lebensmitteln durch vergünstigten Verkauf vor dem Verfall gerettet werden. Zusätzlich bieten wir mit RECUP und REBOWL ein Mehrwegsystem für Getränke und Speisen.
An vierter Stelle möchte ich unser Super-Wash-Angebot nennen. Unsere Super-Wash-Anlagen schonen die natürlichen Ressourcen, beispielsweise über Wasserrückgewinnung. Nur rund 20 Liter Frischwasser müssen pro Waschgang durchschnittlich in den Wasserkreislauf der Super-Wash-Anlagen eingespeist werden – der Rest ist Brauchwasser, das gefiltert und wieder aufbereitet wird. Zudem verwenden wir eine spezielle Chemierezeptur, für die je nach Hersteller bis zu 80 Prozent der Komponenten aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden.